Engagement light als Einstieg in das Ehrenamt

Warum engagieren sich offenbar so wenige junge Zahnärztinnen und Zahnärzte in standespolitischen Gremien? Sind die Sitzungen zu lang oder herrscht zu wenig Kenntnis über die Möglichkeiten, sich in die Berufspolitik einzubringen? Und ist eine Quotenregelung sinnvoll?

Alexander Henning (26) ist angestellter Assistenzzahnarzt in Duisburg, Mitglied im FVDZ und in der Jungen Kommission der Zahnärztekammer Nordrhein. Im Interview verdeutlicht er, dass fehlendes Wissen über die Aufgaben und Einflussmöglichkeiten in den zahnärztlichen Körperschaften ein Grund für fehlendes Engagement junger Zahnärztinnen und Zahnärzte ist, und macht konkrete Vorschläge, wie diese für die Standespolitik gewonnen werden können.

 

ZÄK Nordrhein: In Ihrem Alter sind nur wenige Zahnärztinnen und Zahnärzte in der Standespolitik engagiert. Was motiviert Sie, sich in der Berufspolitik einzubringen?

Alexander Henning: Ich bin bereits während meines Studiums mit der Zahnärztekammer Nordrhein in Berührung gekommen und habe so frühzeitig die Aufgaben der zahnärztlichen Selbstverwaltung kennengelernt. Aufmerksam wurde ich auf das Karl-Häupl-Institut durch eine Vorlesung an der Uni. Da ich auf der Suche nach einem Studentenjob war, habe ich mich initiativ beworben.

Während meiner Studententätigkeit in der Zahnärztekammer habe ich früh gesehen, dass man in den zahnärztlichen Körperschaften, sprich in der Kammer und der KZV, Einfluss auf die Rahmenbedingungen des Berufsstandes nehmen kann. Diese aktiv zu gestalten halte ich für wichtig!

 

ZÄK Nordrhein: Dass in den standespolitischen Gremien zu wenige junge Zahnärztinnen und Zahnärzte und zu wenige Frauen vertreten sind, wird oftmals kritisiert. Worin sehen Sie die Gründe dafür? Gibt es eine „gläserne Decke“, die junge Kollegen und Frauen aus den standespolitischen Gremien heraushält?

Henning: Ich bin der Überzeugung, dass die Gründe dafür vielschichtig sind. Es fängt damit an, dass viele gleichaltrige Kolleginnen und Kollegen gar nicht genau wissen, welche Aufgaben und Funktionen die zahnärztlichen Körperschaften erfüllen. Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass sie als angestellte Zahnärzte viele Themen zunächst nicht direkt betreffen.

Bereits die Begrifflichkeiten wie Kammer- oder Kammerversammlung sind unklar. Deshalb muss schon an der Uni besser über die zahnärztliche Selbstverwaltung informiert werden. Die Berufskundevorlesungen reichen dafür nicht aus. Zudem klingt Standespolitik vielleicht auch etwas angestaubt. Da kommt keiner auf die Idee, aktiv mitgestalten zu können. Vielleicht sollte daher auch das Wording überdacht werden.

Neben dem fehlenden Wissen setzt man zu Beginn des Berufslebens womöglich andere Schwerpunkte. Im Fokus steht zunächst, die eigenen zahnmedizinischen Fertigkeiten zu verbessern. Im Anschluss setzen sich viele mit dem Thema Praxisgründung auseinander. Hinzu kommen private Planungen wie Existenz- und Familiengründung. Legt man Wert auf eine Work-Life-Balance, fehlt oftmals schlichtweg die Zeit.

Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass man mit offenen Armen empfangen wird. Die etablierten Standespolitiker wollen junge Kolleginnen und Kollegen integrieren.

 

ZÄK Nordrhein: Die Junge Kommission soll in den kommenden Wochen und Monaten Empfehlungen ausarbeiten, um mehr junge, engagierte Zahnärztinnen und Zahnärzte für die Standespolitik zu gewinnen. Haben Sie dazu erste Ideen? Wie können wir den Berufsnachwuchs für die Berufspolitik gewinnen?

Henning: Ich glaube, man muss die jungen Kolleginnen und Kollegen früher mit der Zahnärztekammer in Kontakt bringen. Einen Tag der offenen Tür halte ich für eine gute Idee. Hier kann die Zahnärztekammer sowohl über ihr Angebot als auch die Standespolitik informieren. Zudem sollte die Zahnärztekammer bei Veranstaltungen der Universität Präsenz zeigen und bereits den Studierenden das Gefühl vermitteln, dass man für die Kollegenschaft da ist. Hier hat sich in den letzten Jahren aber auch schon einiges getan.

Mit Blick auf den zeitlichen Aspekt kann ein Engagement light den Einstieg in das Ehrenamt bieten. Offene Arbeitsgruppen zu bestimmten Themen können hier eine Option sein. Gerade zu Beginn der Berufslaufbahn wird ein großer Zeitaufwand schnell zur Hürde.

 

Das vollständige Interview mit ZA Alexander Henning lesen Sie im Rheinischen Zahnärzteblatt 06/2019 (S. 326).

Zahnärztekammer Nordrhein

Wer ist die Junge Kommission?

Die Zahnärztekammer Nordrhein hat sich zum Ziel gesetzt, mehr junge Zahnärztinnen und Zahnärzte für ein ehrenamtliches Engagement in der Berufspolitik zu gewinnen. Die dazu eingerichtete Junge Kommission erarbeitet derzeit einen Maßnahmenkatalog mit Vorschlägen, um den Berufsnachwuchs für ein Engagement in zahnärztlichen Gremien und Institutionen von der Regionalinitiative vor Ort bis hin zur Zahnärztekammer oder der KZV zu gewinnen. Die Umfrage soll die Wünsche und Vorstellungen der nordrheinischen Zahnärzteschaft ermitteln.

Fragen zur Arbeit der Jungen Kommission? Kontaktieren Sie uns unter: junge-kommission(at)zaek-nr.de.

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