Zähne, die stillen Zeugen: Essstörung – Folgen für die Zahngesundheit
Der Schönheitswahn in sozialen Medien setzt besonders viele Jugendliche unter Druck. Selbstoptimierungs-Trends erzeugen ein verzerrtes Körperbild. Mit fatalen Folgen, die über Psyche und Ernährung hinausgehen: Essstörungen hinterlassen oft schwere körperliche Schäden, beispielsweise an Zähnen und Zahnfleisch, die – wenn überhaupt – nur sehr aufwändig repariert werden können.
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Laut dem Robert-Koch-Institut weist ein Drittel der 14- bis 17-jährigen Mädchen Symptome einer Essstörung auf. Die KKH Kaufmännische Krankenkasse verzeichnete zwischen 2019 und 2023 einen Zuwachs von Essstörungen von fast 50 Prozent bei den 12- bis 17-jährigen Mädchen. Die Fallzahlen kletterten auf 150 Fälle je 10.000 Versicherte. Laut KKH-Hochrechnung diagnostizierten Arztpraxen im Auswertungsjahr 2023 bei fast 460.000 Menschen in Deutschland eine Essstörung.
Die Dunkelziffer lässt sich nur erahnen, denn viele Betroffene verbergen ihr Verhalten und werden nicht ärztlich betreut.
Essstörungen wie Anorexie, Bulimie und Binge Eating gelten als schwere psychische Erkrankungen, die auch dem Körper massiv schaden, unter anderem auch der Mundgesundheit. Bei der von extremen Diäten geprägten Magersucht fehlen dem Körper essenzielle Nährstoffe. Geschwächter Zahnschmelz, brüchige Zähne, chronische Mundtrockenheit und eine anfälligere Mundschleimhaut sind die Folge. Heilungsprozesse verlaufen schlechter, weil das Immunsystem beeinträchtigt ist.
Wo der Schaden sichtbar wird
Bulimie hinterlässt die gravierendsten Zahnschäden. Aggressive Magensäure greift durch häufiges Erbrechen die Zähne an. An den Rückseiten der oberen Frontzähne sind Erosionen sichtbar. Der Schmelz dünnt aus, Kanten brechen ab, Überempfindlichkeiten entwickeln sich und das Risiko bleibender Schäden steigt rapide. Hinzu kommen Verletzungen der Schleimhäute und des Zahnfleisches, häufig verstärkt durch aggressives Zähneputzen unmittelbar nach dem Erbrechen. Der Zahnschmelz wird dadurch zusätzlich geschädigt. Auch beim Binge Eating mit regelmäßigen, nicht kontrollierbaren Essanfällen leiden Zähne und Zahnfleisch. Lebensmittel werden meist heimlich in großen Mengen konsumierten, stark zuckerhaltige. Plaque bildet sich, Karies und Zahnfleischentzündungen werden begünstigt. Denn nach vielen Attacken wird wenig oder gar nicht geputzt.
Die daraus resultierenden typischen Schäden an den Zähnen können bereits nach sechs Monaten sichtbar sein. Zahnärztinnen und Zahnärzte können oftmals schon frühe Anzeichen der Krankheit erkennen. Oft sind sie sogar die Ersten, die auf eine Essstörung aufmerksam werden, noch bevor therapeutische Hilfe in Anspruch genommen wird. Behutsam können sie die Gelegenheit nutzen, um das Thema Essstörung anzusprechen.
Zahnarztpraxen sind wichtige Hinweisgeber für eine angeratene therapeutische Begleitung oder die Vermittlung anonymer Angebote. Als geeignete Anlaufstellen können u. a. die Telefonberatung bei Essstörungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (bzga-essstoerungen.de) und die Beratungsstelle für Essstörungen die Landeskoordinierungsstelle Essstörungen NRW (landeskoordinierungsstelle-essstoerungen-nrw.de) genannt werden. Dort gibt es zum Beispiel auch eine Umkreissuche mit speziellen Hilfsangeboten.
Essstörungen sind ernsthafte psychische Erkrankungen, gekennzeichnet durch ein gestörtes Essverhalten, zwanghafte Gewichtskontrolle und eine übermäßige Beschäftigung mit Figur und Essen. Experten unterscheiden drei Hauptformen:
Hauptformen von Essstörungen:
- Anorexia nervosa (Magersucht), Menschen hungern bis hin zu einem lebensbedrohlichen UntergewichtBP-Ess ‒ getrieben von der Angst vor einem zu dicken Körper
- Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht), Betroffene verspüren einen starken Zwang, ihr Körpergewicht zu kontrollieren und erbrechen nach Essattacken oder missbrauchen Abführmittel, um nicht zuzunehmen
- Binge-Eating-Störung, die mit wiederkehrenden, unkontrollierbaren Essattacken einhergeht und zu starkem Übergewicht oder gar Adipositas führen kann
Mehr Infos finden Sie hier:
- Die S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Essstörungen“ betont die Wichtigkeit von Prävention, Früherkennung und interdisziplinäre Zusammenarbeit:
- Zur Studie „Prevention of eating disorders“
- Essstörungen und ein in der Folge erhöhtes Risiko für orale Erkrankungen sind auch im Spitzensport laut dem British Dental Journal weit verbreitet. Zahnärztinnen und Zahnärzte können frühe Hilfe leisten. Zur brandaktuellen Studie „Disordered eating, oral health and sports“
Nadja Ebner, KZV Nordrhein