Selbstständigkeit bietet mehr Flexibilität, als viele denken
Mit ihrer Praxis „Zahnglanz“ hat Dr. Katja Werner frischen Wind in die zahnmedizinische Versorgung von Übach-Palenberg gebracht. Im Interview spricht sie über den Weg in die Selbstständigkeit, Gestaltungsspielräume und Stolpersteine beim Praxisbau. Das Interview führte Patrick Deckers, KZV Nordrhein.
Drucken:
Frau Dr. Werner, Sie sind seit dem 1. April 2025 zugelassene Vertragszahnärztin und haben sich mit einer Praxis in Übach-Palenberg selbständig gemacht. Was war der entscheidende Moment, an dem Sie wussten, dass Sie diesen Schritt gehen wollen?
Dr. Katja Werner: Eigentlich relativ früh. Schon kurz nach meiner Assistenzzeit war für mich klar, dass ich langfristig den Wunsch habe, selbst zu gestalten und Verantwortung zu übernehmen. Der private Zeitpunkt hat dann gut gepasst – und wenn beides zusammenkommt, sollte man den Schritt auch gehen.
Warum haben Sie sich bewusst für eine Einzelpraxis entschieden?
Dr. Werner: Mir war die alleinige Entscheidungsfreiheit sehr wichtig. In einer Einzelpraxis kann ich meine eigenen Vorstellungen umsetzen, von den Abläufen über das Behandlungskonzept bis hin zur Atmosphäre. Diese Form der Selbstverwirklichung war für mich ein zentraler Beweggrund.
Auf Ihrer Website fällt sofort die besondere Gestaltung der Praxisräume auf. Konnten Sie Ihre Vorstellungen direkt umsetzen?
Dr. Werner: Grundsätzlich ja – das Konzept, das ich im Kopf hatte, ist umgesetzt worden. Ich wollte eine moderne, helle Praxis mit viel Glas, einem durchdachten Lichtkonzept und warmen Farben, in der sich Patientinnen und Patienten vom ersten Moment an wohlfühlen. Allerdings lief nicht alles reibungslos: Mit der beauftragten Baufirma gab es erhebliche Unstimmigkeiten.
Damit sprechen Sie schon ein Hindernis an. Gab es unerwartete Herausforderungen auf dem Weg zur eigenen Praxis?
Dr. Werner: Leider ja. Die Zusammenarbeit mit der Baufirma war sehr schwierig. Vereinbarte Zeiten und Qualitätsstandards wurden nicht eingehalten, was am Ende sogar in Richtung Betrug ging. Das war belastend, aber ich habe gelernt, konsequent zu bleiben und mir Unterstützung zu holen, wo es nötig war.
Was macht für Sie den Standort Übach-Palenberg besonders?
Dr. Werner: Ich wohne selbst in der Nähe, habe also einen starken persönlichen Bezug zur Region. Außerdem zeigte sich unter anderem in Analysen, dass es hier vergleichsweise wenige Zahnärztinnen und Zahnärzte gibt – viele Praxen haben in den vergangenen Jahren geschlossen. Umso mehr freue ich mich, einen Beitrag zur wohnortnahen Versorgung leisten zu können, auch für Patientinnen und Patienten aus dem Umland und den angrenzenden Niederlanden.
Ihre Praxis versteht sich als moderne, digitale Zahnarztpraxis. Mussten Sie dafür viel nachrüsten?
Dr. Werner: Nein, das war ein Vorteil der Neugründung. Ich konnte von Anfang an alles entsprechend planen und einrichten. Online-Terminvereinbarung, digitale Anamnese oder moderne Aufklärungsangebote gehören für mich heute selbstverständlich zu einer zeitgemäßen Praxis – sie erleichtern nicht nur den Praxisalltag, sondern machen den Besuch auch für die Patientinnen und Patienten entspannter.
Dr. Katja Werner

Dr. Katja Werner führt seit dem 01.04.2025 ihre Praxis in Übach-Palenberg.
Sie sind Mutter von zwei Kindern. Was hilft Ihnen dabei, Beruf und Familie zu vereinbaren?
Dr. Werner: Eine gute Organisation ist das A und O. Dazu kommt ein starkes Praxisteam, auf das ich mich verlassen kann, sowie die Unterstützung durch meine Familie und meinen Partner. Die Selbstständigkeit bietet zudem mehr Flexibilität, als viele denken – gerade, wenn man Strukturen schafft, die zum eigenen Leben passen.
Wie hat sich Ihr Blick auf die Arbeit durch den Wechsel von der angestellten Zahnärztin zur Praxisinhaberin verändert?
Dr. Werner: Man sieht deutlich mehr das große Ganze. Neben der zahnärztlichen Tätigkeit spielen Organisation, Personalführung, Marketing und strategische Entscheidungen eine große Rolle. Das ist anspruchsvoll, aber auch sehr erfüllend.
Zum Abschluss: Welchen Rat geben Sie jungen Kolleginnen und Kollegen, die noch zögern, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen?
Dr. Werner: Ich kann nur sagen: Ich bereue es nicht. Die Selbstständigkeit bietet enorme Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung. Die Praxis läuft so, wie ich es mir vorstelle – von den Abläufen über die Aufgabenverteilung bis hin zu Urlaub und Teamführung. Wer eine klare Vorstellung hat und bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, sollte den Schritt wagen.
Ist Ihre Lust auf die Selbständigkeit geweckt?
Hilfreiche Tipps, Sicherheit und Motivation bietet die Veranstaltungsreihe
„Take The Chance“ der KZV Nordrhein. „Take the Chance“ findet mehrmals im Jahr an verschiedenen Orten in Nordrhein statt. Eine Anmeldung ist erforderlich. Die Zahnärztinnen und Zahnärzte, die zum Beispiel in der Nähe des Veranstaltungsortes wohnen, werden persönlich angeschrieben und eingeladen. Bitte haben Sie Verständnis, wenn Sie erst bei einer der nächsten Veranstaltung berücksichtigt werden.