Patientensicherheit in der Zahnarztpraxis: CIRS dent – Mut zur Offenheit

Fehler passieren – auch in der Zahnmedizin. Entscheidend ist, wie man mit ihnen umgeht. Das Berichts- und Lernsystem „CIRS dent – Jeder Zahn zählt!“ bietet die Möglichkeit, kritische Ereignisse anonym zu teilen und voneinander zu lernen. Je mehr Praxen sich beteiligen, desto größer wird der Nutzen für alle.
Text Patrick Deckers, KZV Nordrhein

Erstellt: 06.07.2026

Aktualisiert: 16.06.2026

Zusammengeknüddeltes Papier, ein Bleistift, eine Glühbirne als Synony für Fehler. Cirs Dent jeder Fehler zählt , aus Fehlern lernen für Patientensicherheit
© patpitchaya – stock.adobe.com

Fehler sind kein Makel, sondern eine Chance – so lässt sich der Gedanke hinter CIRS dent zusammenfassen. Ob Missverständnisse im Team, organisatorische Schwächen oder zahnmedizinische Fehleinschätzungen: Unerwünschte Ereignisse gehören zum Praxisalltag. Häufig bleiben diese Erfahrungen jedoch auf die eigene Praxis beschränkt.

Genau hier setzt das gemeinsame Projekt von Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung (KZBV) und Bundeszahnärztekammer (BZÄK) an. „CIRS dent – Jeder Zahn zählt!“ schafft einen geschützten Raum, in dem solche Situationen anonym gemeldet, analysiert und für andere zugänglich gemacht werden – praxisnah und kollegial.

Das zugrunde liegende Prinzip des „Critical Incident Reporting System“ (CIRS) ist einfach: Man muss nicht jeden Fehler selbst gemacht haben, um daraus zu lernen. Jede Meldung trägt dazu bei, typische Fehlerquellen sichtbar zu machen und ein umfassenderes Bild der Versorgungsrealität zu gewinnen. So entsteht Schritt für Schritt ein System, das nicht auf Schuldzuweisung, sondern auf gemeinsames Lernen ausgerichtet ist.

Ein kritisches Ereignis ist dabei bewusst weit gefasst: Gemeint ist jeder Vorfall, der als vermeidbare Gefährdung für das Wohlergehen eines Patienten eingeschätzt wird – unabhängig davon, ob tatsächlich ein Schaden entstanden ist. Gerade sogenannte Beinahe-Fehler liefern oft besonders wertvolle Erkenntnisse.

Die Nutzung ist niedrigschwellig gehalten:

  • Auf CIRS dent – Jeder Zahn zählt! Zugangsdaten anfordern oder Registrierung über Registrierungsschlüssel vornehmen
  • Anonyme Eingabe eines Berichts (ca. 5–10 Minuten)
  • Entschlüsselung, Prüfung und Anonymisierung durch ein Redaktionsteam
  • Veröffentlichung in einer frei zugänglichen Datenbank

Besonders wichtig: Eine Identifizierung von Personen oder Praxen ist ausgeschlossen. Weder Namen noch IP-Adressen werden gespeichert.

Was kann gemeldet werden?

Die Bandbreite ist groß – und genau das ist gewollt. Beispiele sind:

Auch scheinbar kleine Vorfälle können entscheidend sein. Denn oft sind es wiederkehrende Muster, die Risiken im Praxisalltag sichtbar machen.

Warum sich Mitmachen lohnt

Jeder eingereichte Bericht erweitert die gemeinsame Wissensbasis. Die anonymisierten Fälle werden strukturiert ausgewertet und in einer Datenbank gesammelt, die allen Zahnärztinnen und Zahnärzten zur Verfügung steht. Ergänzend werden zu bestimmten Fehlertypen konkrete Tipps zur Vermeidung veröffentlicht – „aus der Praxis für die Praxis“.

Auf diese Weise entsteht ein kontinuierlicher Lernprozess:

Lernen im System statt im Stillen

Zwar werden kritische Situationen in vielen Praxen bereits intern besprochen – doch dieses Wissen bleibt oft lokal begrenzt. CIRS dent hebt diese Erfahrungen auf eine übergeordnete Ebene. Durch die Bündelung vieler Einzelfälle werden Zusammenhänge sichtbar, die im Alltag leicht übersehen werden.

Das stärkt nicht nur einzelne Praxen, sondern die zahnärztliche Versorgung insgesamt. Denn eine offene Fehlerkultur ist ein zentraler Baustein moderner Medizin – und ein wichtiger Beitrag zur Patientensicherheit.

Fazit

CIRS dent lebt von der Beteiligung. Je mehr Zahnärztinnen und Zahnärzte ihre Erfahrungen teilen, desto größer ist der Erkenntnisgewinn für alle. Oder anders gesagt: Jeder Bericht zählt.

Für weiterführende Informationen stehen die Websites von CIRS dent, KZBV und BZÄK zur Verfügung.

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