Karies in der IT
IT-Schwachstellen erkennen und präventiv entgegenwirken
Im Rahmen der Online-Veranstaltung zum Thema Cybercrime der KZV Nordrhein am 26. November berichtete der IT-Spezialist Thomas Klug in seinem Vortrag von IT-Herausforderungen, vor denen Praxen aktuell und auch in Zukunft stehen werden.
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IT-Sicherheit als Schutz sensibler Patientendaten
In zahnmedizinischen Praxen wachsen die Angriffsrisiken spürbar – und damit auch die Verantwortung, sensible Daten zu schützen. Patienteninformationen, digitale Röntgenbilder oder Abrechnungsdaten sind heute das “Gold” für Cyberkriminelle. Sie nutzen ein ganzes Arsenal moderner Angriffstechniken, zunehmend unterstützt durch künstliche Intelligenz, die Schwachstellen schneller erkennt, Angriffe perfektioniert und menschliche Muster täuschend echt imitiert. Gleichzeitig entstehen neue Verwundbarkeiten innerhalb der eigenen Systeme: Software und Hardware, die nicht regelmäßig oder nicht qualitätsgesichert überprüft werden, bieten Hackern offene Türen. Auch die stetig wachsende Palette digitaler Anwendungen – allen voran die elektronische Patientenakte („ePA) für alle“) – erweitert die digitale Angriffsfläche. Jede neue Schnittstelle ist ein potenzielles Einfallstor, wenn sie nicht sorgfältig geschützt wird.
Hinzu kommt, dass Praxen im Rahmen der DSGVO nicht nur eine ethische, sondern auch eine rechtlich verbindliche Pflicht haben, den Schutz personenbezogener Daten sicherzustellen. Verstöße können nicht nur das Vertrauen der Patientinnen und Patienten erschüttern, sondern auch empfindliche Bußgelder nach sich ziehen.
Kurz gesagt: Wo digitale Innovation auf unzureichende Schutzmechanismen trifft, entsteht ein gefährlicher Raum, in dem Angreifer leichtes Spiel haben. Umso wichtiger ist es, IT-Sicherheit in der Praxis als strategischen Bestandteil des Arbeitsalltags zu begreifen – genauso selbstverständlich wie Hygiene oder Datenschutz.
Hauptbedrohung: E-Mail
E-Mails gehören nach wie vor zu den größten Einfallstoren für Cyberangriffe – gerade in zahnmedizinischen Praxen, in denen täglich zahlreiche digitale Nachrichten zwischen Laboren, Abrechnungsstellen und Patientinnen und Patienten ausgetauscht werden. Was auf den ersten Blick wie eine harmlose Nachricht wirkt, kann sich schnell als trojanisches Pferd entpuppen.
Besonders heimtückisch sind gefälschte Absenderadressen oder täuschend echt formulierte Antworten auf bereits bestehende E-Mail-Verläufe. Solche Mails wirken wie geschäftsübliche Kommunikation und senken dadurch die Wachsamkeit im Praxisalltag. Wird eine infizierte Datei geöffnet oder ein manipulierter Link angeklickt, kann Schadsoftware unbemerkt ins System gelangen – mit gravierenden Folgen: Daten werden ausgelesen, gestohlen oder verschlüsselt, sodass im Ernstfall sogar eine digitale Erpressung droht. Typische Angriffsarten reichen dabei von gehackten E-Mail-Accounts – sowohl der eigenen Praxis als auch von vertrauten Kommunikationspartnern – über massenhaft versendeten Spam, bis hin zu Phishing-Attacken, die gezielt darauf abzielen, Zugangsdaten oder vertrauliche Informationen zu erbeuten.
Umso wichtiger sind robuste Schutzmaßnahmen: E-Mails stets kritisch prüfen, Absenderadressen genau ansehen und keine Links oder Anhänge unbekannter Nachrichten öffnen. Darüber hinaus stärken technische Maßnahmen wie Multi-Faktor-Authentifizierung, aktivierte Postfach-Virenscanner
beim Provider und gut geschulte Mitarbeiter die digitale Abwehr erheblich. So wird die E-Mail nicht zur Schwachstelle, sondern bleibt ein sicheres Werkzeug im Praxisalltag.
Fünf Anzeichen für einen möglichen Schadsoftwarebefall eines Smartphones
- Ungewöhnlich hoher Akkuverbrauch
- Längere Reaktionszeiten
- Regelmäßige App-Abstürze
- Häufige Anruf-Abbrüche
- Gestiegene Datenübertragungen
(Quelle: BSI)
Hinweise zur IT-Sicherheitsrichtlinie
Praxen sind für ihre Datensicherheit verantwortlich, auch wenn sie die Umsetzung von Maßnahmen an externe Dienstleister übergeben haben. Darauf weist auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hin. Hier nochmal alle Hinweise zu Nachlesen: Hinweise zur IT-Sicherheitsrichtlinie nach § 75b SGB V
Top 3 der IT-Sicherheitsbedrohungen
| Ransomware-Angriffe: | Schadsoftware, die Daten verschlüsselt und ein Lösegeld verlangt |
| Phishing: | Betrügerische E-Mails oder Websites, die versuchen, sensible Daten zu stehlen |
| Malware: | Schadsoftware, die versucht, in Systeme einzudringen, Daten zu stehlen oder zu zerstören |
„Informationssicherheit ist die Voraussetzung einer erfolgreichen Digitalisierung.“
Thomas Klug, Security-Berater
Steckbrief
Thomas Klug | Security-Berater | daten-strom.Medical-IT-Services GmbH
Im nächsten Artikel erfahren Sie mehr zum Thema IT-Sicherheit aus der Sicht der Bundespolizei.
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Text: Alexandra Schrei, KZV Nordrhein