Teilhaben und Verantwortung übernehmen

Ein Interview mit Zahnarzt Alexander Saenger

Alexander Saenger (geb. 1984 in Mönchengladbach) ist einer der jungen Zahnmediziner, die die Standespolitik im Augenblick deutlich verjüngen. Der in Erkelenz in Praxisgemeinschaft mit einer jungen Kollegin niedergelassene Zahnarzt erzählt über sein Engagement für die Kollegen, das ihn von der Fachschaft mittlerweile bis in den Öffentlichkeitsausschuss der KZV Nordrhein geführt hat. Er hat in Aachen 2005 bis Ende 2010 studiert und seine Assistenzzeit in Wegberg abgeleistet.

Im Studium bereits im medialen Bereich aktiv 

In meinen letzten Studiensemestern war ich in der Fachschaft engagiert und habe mich dabei insbesondere um die Themen Medien und Kommunikation mit den Studienkollegen gekümmert. Die während der Studienzeit in der Fachschaftsarbeit gesammelten Erfahrungen und Kontakte sind sehr nützlich für meine aktuelle Arbeit, denn wir möchten in der Arbeitsgruppe ‚Junge Zahnärzte‘ mit den Studierenden in Kontakt treten, um diese bereits zu diesem Zeitpunkt für die Fragestellungen, die sich nach der Approbation ergeben, zu sensibilisieren.“

Anstellung oder Selbstständigkeit?

„Es gibt sicherlich viele Gründe, sich für die eine oder andere Form des beruflichen Engagements zu entscheiden. Vor der Niederlassung habe ich vier Jahre als angestellter Zahnarzt gearbeitet. Von Anfang an war es meine Zielsetzung, mich später niederzulassen bzw. eine Praxis zu übernehmen, weil ich einmal mein eigener Chef sein wollte. In dieser Zeit habe ich meine jetzige Praxispartnerin kennengelernt, zufällig privat bei einem Kochkurs. Gemeinsam entwickelten wir die Idee, in einer Praxisgemeinschaft die Lasten des Praxismanagements gut zu teilen, um mehr Flexibilität erreichen zu können, etwa bei der Urlaubsvertretung oder in besonderen Lebenssituationen, wie aktuell bei meiner Kollegin, die noch einmal Mutter geworden ist.“

Früh beim FVDZ

„In meiner Assistenzzeit in Wegberg war ‘mein Mentor‘ Karl Olaf Hamacher der Ansprechpartner der örtlichen Regionalinitiative (Zahnarzt Initiative Grenzland, ZIG; die Red.). Mit ihm bin ich zum örtlichen Stammtisch gegangen und habe erkannt, wie wichtig eine solche Einrichtung ist. Leider gab es dann in Erkelenz keine vergleichbare Institution vor Ort. Darum habe ich den Kontakt zum Freien Verband Deutscher Zahnärzte gesucht und habe die Treffen der Bezirksgruppe Aachen besucht. Ich fand sehr interessant, was die Kollegen dort aus ihren Praxen berichteten. Ebenso interessant war zu erfahren, wie viele wichtige Aufgaben gute Standespolitik erfordert. Ich habe daher regelmäßig die Sitzungen besucht. Dies hat dann offensichtlich die Kollegen bewogen, mich auch ‘aktiv‘ in die Arbeit einzubeziehen. Seit zwei Jahren bin nun ich in die Vorstandsarbeit der Bezirksgruppe Aachen eingebunden. Man könnte schon sagen, dass ich da so ein bisschen ‚reingeschlittert‘ bin.“

Gefragter Darsteller

„Auch ein bisschen zufällig stand ich zur Verfügung, als die KZV 2016 einen ‘Darsteller‘ suchte, der bei der regionalen Dentalschau die Rolle des geprüften Zahnarztes übernahm. Es wurde ein sehr stressiger Tag, weil meine Kollegin und ich gemeinsam zwischen den Herstellern ‚tingeln‘ wollten und ich einen Termin mit einem Softwareanbieter zum Kauf der Praxissoftware einhalten musste. Anscheinend ist mein Auftritt trotzdem gut angekommen, denn ich wurde im Anschluss gefragt, ob ich in der AG Angestellte Zahnärzte mitwirken möchte Da ich mich mit Themen rund um die Niederlassung gerade selbst beschäftigen durfte bzw. musste, war das die Gelegenheit, meine Entscheidungsfindung noch sicherer gestalten zu können. Die behandelten Themen und Fragestellungen in der Arbeitsgruppe haben sich äußerst interessant und spannend entwickelt und ich habe die Entscheidung zur Mitarbeit nie bereut.“

Workshops

„Als die KZV die Einrichtung von Workshops für junge Zahnärzte etablierte, habe ich mich auch hier gerne mit eingebracht. Gerade diese Workshops halte ich für sehr wichtig und hilfreich für junge Kollegen und Kolleginnen. Gemeinsam mit meiner Kollegin Nicola Rosarius berichten wir hier über eigene Erfahrungen, der eigenen Suche, den eigenen Unsicherheiten bei der beruflichen Ausrichtung, den eigenen Sorgen halt, die junge Menschen bei der beruflichen Zukunftsgestaltung umtreiben. Die Kollegin hat eine Einzelpraxis, ich bin in Praxisgemeinschaft niedergelassen. Daher konnten wir aus eigener Erfahrung über unterschiedliche Organisationsformen berichten, auch warum wir uns für die jeweilige Form entschieden haben. Teamarbeit ist in jeder Organisationsform unerlässlich. Daher motivieren wir in den Workshops ‚Praxisführung‘ dem Teammanagement große Aufmerksamkeit zu widmen.“

Gerne im Öffentlichkeitsausschuss

„Der Tod des langjährigen Vorsitzenden des Öffentlichkeitsausschusses Dr. Heinz Plümer führte dazu, dass für die Ausschussarbeit in der KZV eine Unterstützung gefunden werden musste. Noch in der Funktion der stellvertretenden Vorsitzenden des Ausschusses wurde ich von der nunmehr Vorsitzenden des Ausschusses Dr. Susanne Schorr mit der Frage konfrontiert, ob ich mich der Wahl in den Ausschuss durch die Vertreterversammlung der KZV NR stellen wolle. Ich hätte ja bereits einige Erfahrungen mit öffentlichen Auftritten und mich für Fragen der Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation interessiert gezeigt. Natürlich war mein Interesse da. Die Wahl durch die Vertreterversammlung hat mich sehr erfreut und bewegt, in die Arbeit dieses erfahrenen Teams einzusteigen. Dort hat man mir meine anfängliche Nervosität rasch genommen und es macht Spaß, in der angenehmen Atmosphäre dieser Runde kreativ mitwirken zu dürfen.“

Teilhaben und Verantwortung übernehmen

„Eigen- und selbstverantwortlich leben und arbeiten zu können erfordert, dass hierzu auch die gesellschaftlichen Grundlagen gegeben sind. Für mich ist es wichtig, an Entscheidungen teilhaben zu können und Verantwortung zu übernehmen. Darum bin ich grundsätzlich bereit, mich im Ehrenamt zu engagieren um diese Möglichkeiten für die Gesellschaft und für die Arbeit in meiner Praxis zu erhalten. Zudem macht es auch noch Spaß mit anderen Engagierten zusammenzuarbeiten, solange Praxis und Privates nicht zu kurz kommen.“

Freundlich aufgenommen

„Ich habe die Erfahrung machen können, überall vom Zahnärzte-Treffs bis zu den Arbeitsgruppen und Ausschüssen der KZV sehr freundlich von den Kollegen und Kolleginnen aufgenommen worden zu sein. Ich kann deshalb jedem jungen Kollegen und jeder jungen Kollegin nur empfehlen, sich in den kollegialen Runden und Gremien umzuschauen und zu testen, wo man sich sinnvoll einbringen kann.“

Ehrenamt ist wichtig und sinnvoll

„Ich finde es sehr wichtig, dass viele Dinge, die nun einmal für den Berufsstand zu regulieren sind, in Selbstverwaltung reguliert werden. Daher ist Engagement im Ehrenamt unabdingbar. Nur wir Zahnärzte erleben täglichen die Umstände, mit denen wir zu tun und auch zu kämpfen haben. Fremde können sich da nur schlecht hineinversetzen. Wir sammeln am Patienten und in den Praxen die Erfahrungen, die eine objektivere Herangehensweise an die Problemstellungen des Alltags ermöglichen, als es Fachfremde zu tun vermögen.“

Interviewer: Dr. Uwe Neddermeyer, KZV Nordrhein 

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