Verbandsarbeit nein danke, oder?

Gedanken eines „alten Hasen“ zur berufspolitischen Arbeit

Zusätzlich zur kräfte- und zeitraubenden aber erfüllenden Arbeit in der Praxis noch Aufgaben bei Berufsverbänden wie KZV, ZÄK, FV oder DZV übernehmen? Das passt so gar nicht in die Lebensplanung junger Zahnärztinnen und Zahnärzte. Dr. Harald Holzer berichtet über seine eigenen Erfahrungen.

Verbandsarbeit?

Später vielleicht mal, wenn die Kinder aus dem Haus sind, die Praxis bezahlt und der Praxisalltag nicht mehr ganz so aufreibend ist. An dieser Denke hat sich gegenüber früher nichts geändert. Trotzdem finden sich immer wieder einzelne Exemplare in der Kollegenschaft, die es wagen, die Aufgaben übernehmen und ihre spärlich bemessene Freizeit am Abend, Mittwochnachmittag oder gar am Wochenende opfern.

Warum ich?

Niemand zwingt diese Spezies, sich zu opfern. Ist es versteckter Masochismus, der Versuch dem heimischen Kindergeschrei zu entrinnen oder die heillose Selbstüberschätzung, demnächst vielleicht selbst zum Präsidenten aufzusteigen? Die Bezahlung kann es nicht sein. In der Praxis verdienst Du in der gleichen Zeit deutlich mehr. Also was ist es dann?

Alle haben klein angefangen!

Ich kann natürlich nicht wissen, wie es bei den anderen zirka 250 Ehrenamtsträgern in Nordrhein ist, denn viel mehr sind es nicht, die sich da aktiv ihre Freizeit regelmäßig um die Ohren hauen. Die Beweggründe, sich aktiv für die Kollegenschaft einzusetzen, sind sicherlich sehr individuell, aber alle haben eins gemeinsam: sie haben mal klein angefangen. Selbst Martin Hendges und Peter Engel, beide heute an der Spitze von KZBV und BZÄK, haben sich lokal ihre Sporen erarbeitet. Ich kann das beurteilen, denn ich bin ein Weggenosse.

So, jetzt ist es raus!

Ja, ich bin ein alter Hase im Geschehen. Vielleicht ist es das, was mich bewogen hat, mal ein wenig aus dem Nähkörbchen zu plaudern für all jene, die insgeheim den verwegenen Gedanken hegen, sich für ein Amt zu engagieren. Und ja, ich habe klein angefangen und bin heute nach 37 Jahren immer noch nicht Präsident und rette auch nicht die Welt, aber ich durfte für die Kollegenschaft im Laufe der Zeit eine Reihe interessanter Aufgaben in diversen Ausschüssen erledigen, ohne die Praxis und die Familie vernachlässigt zu haben.

Hab‘ ich es bereut?

Wenn ja, wäre ich ja bescheuert gewesen, nicht früher aufzuhören, oder? Es sind eine Reihe von Gründen, die mich bewogen haben, mich gegen alle Vernunft ehrenamtlich zu betätigen. Zu vorderst sei da erwähnt, dass es nichts schadet, berufsspezifische Informationen an der Quelle abzuholen. Für die eigene Praxis ist es von Vorteil, Entwicklungen früh genug mitzubekommen. Du hörst praktisch die Nachtigall trapsen und das kann Dich vor Fehlentscheidungen bewahren.

Wenn Du aktiv in Ausschüssen mitarbeitest, erarbeitest Du Dir automatisch Fachwissen, das Dir auch in der eigenen Praxis hilft. Dem einen oder anderen ist es in die Wiege gelegt, Spaß daran zu haben, dieses Wissen an die Kollegenschaft weiterzugeben und selbst zum kompetenten Ansprechpartner zu werden.

Netzwerke bilden!

Und dann ist da das Networking. Im Laufe der Zeit füllt sich Dein Adressbuch mit Telefonnummern von Kolleginnen und Kollegen. Es gibt keine Frage aus der Praxis, für die ich nicht auch einen Ansprechpartner habe. Und last but not least rekrutieren sich aus diesem Umfeld nach so langer Zeit eine ganze Reihe wunderbarer Freundschaften.

Wenn ich Dich jetzt nicht ganz verschreckt habe, melde Dich und sag einfach: „Der Holzer schickt mich“.

Dr. Harald Holzer

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Leute, die darüber sprechen

  • Björn Eggert

    Sehr schön geschrieben!

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