Digital = Optimal – Chancen und Grenzen in der modernen Prothetik
Dr. Maria Grazia Di Gregorio von der Uni Köln referierte auf dem ZahnärztinnenTag der KZV Nordrhein am 13. Juni 2026 über die Chancen und Grenzen der modernen Prothetik. Das folgende Abstract basiert auf diesem Vortrag und fasst zentrale Erkenntnisse der Präsentation zusammen.
TEXT Dr. Maria Grazia Di Gregorio
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Die moderne Prothetik befindet sich in einem stetigen Wandel. Digitale Technologien, neue Werkstoffe und innovative Behandlungskonzepte haben die Möglichkeiten der zahnmedizinischen und zahntechnischen Versorgung in den vergangenen Jahren deutlich erweitert. Gleichzeitig hat sich die Erwartungshaltung der Patienten verändert. Durch Social Media, Internetplattformen und den schnellen digitalen Informationsfluss kommen viele Patienten bereits mit konkreten Vorstellungen, ästhetischen Wünschen und teilweise sehr klar formulierten Behandlungszielen in die Praxis.
Die Aufgabe des Behandlungsteams besteht darin, die Wünsche und Erwartungen der Patienten fachlich korrekt einzuordnen und daraus eine individuelle Behandlungsplanung zu entwickeln. Nicht jede Situation lässt sich standardisiert lösen, denn die anatomischen, funktionellen und ästhetischen Voraussetzungen unterscheiden sich von Patient zu Patient erheblich. Moderne Prothetik bedeutet nicht nur den Einsatz neuer Technologien, sondern die Fähigkeit, individuelle Lösungen zu erarbeiten und realistische Therapieziele zu definieren.
Sowohl konventionelle als auch digitale Behandlungsstrategien bieten hierfür wertvolle Möglichkeiten. Digitale Verfahren wie Intraoralscans, virtuelle Planungssysteme oder CAD/CAM-gestützte Fertigungsprozesse ermöglichen heute eine präzise Diagnostik und eine effiziente Herstellung prothetischer Versorgungen. Gleichzeitig behalten auch konventionelle Verfahren weiterhin ihre Bedeutung. Analoge Abformungen, klassische zahntechnische Arbeitsschritte und Individualisierungen sind in vielen Fällen unverzichtbar, um funktionell und ästhetisch hochwertige Ergebnisse zu erzielen.
Entscheidend ist deshalb nicht die Frage, ob digital oder konventionell gearbeitet wird, sondern welche Strategie im jeweiligen Einzelfall den größten Nutzen für den Patienten bietet. Der Fokus sollte darauf liegen, die unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten sinnvoll zu kombinieren und individuell auf die jeweilige klinische Situation abzustimmen.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Kommunikation zwischen Zahnarzt und Zahntechniker. Bereits vor Beginn der Behandlung ist eine enge Abstimmung notwendig, um gemeinsam eine klare Strategie für die Versorgung festzulegen. Dabei können konkrete Absprachen zur Auswahl der Materialien, zur Art der Datenerfassung sowie zu digitalen oder konventionellen Fertigungsprozessen getroffen werden. Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit schafft die Grundlage für ein vorhersagbares Behandlungsergebnis.
Besonders bei komplexen prothetischen Rehabilitationen wird deutlich, wie wichtig eine strukturierte Fallplanung ist. Funktion, Ästhetik, Phonetik und langfristige Stabilität müssen gleichermaßen berücksichtigt werden. Durch eine gute Kommunikation können mögliche Grenzen der Versorgung bereits im Vorfeld erkannt und dem Patienten transparent erläutert werden. Dies trägt dazu bei, unrealistische Erwartungen zu vermeiden und Vertrauen in die Behandlung aufzubauen.
Die Chancen der modernen Prothetik liegen in der verbesserten Diagnostik, der hohen Präzision moderner Fertigungstechnologien und den erweiterten ästhetischen Möglichkeiten. Gleichzeitig dürfen die Grenzen dieser Entwicklungen nicht übersehen werden. Technologie allein ersetzt weder klinische Erfahrung noch zahntechnisches Fachwissen oder eine sorgfältige Planung.
Letztlich bleibt das Ziel jeder prothetischen Versorgung unverändert: Für den Patienten ein funktionell, ästhetisch und langfristig stabiles Ergebnis zu erreichen. Der Erfolg moderner Prothetik entsteht nicht allein durch den Einsatz neuer Technologien, sondern durch die enge Zusammenarbeit zwischen Zahnarzt und Zahntechniker sowie durch eine individuelle und verantwortungsvolle Behandlungsplanung.
Dr. Maria Grazia Di Gregorio

Oberärztin der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik der Uniklinik Köln
Freuen Sie sich auf weitere Abstracts der Vorträge des ZahnärztinnenTags der KZV Nordrhein in den nächsten Beiträgen.