Der ungebetene Gast – Ein Weckruf zum Tag der Kopfschmerzen
Zum 5. September, dem deutschen Kopfschmerztag, meldet sich ein ungebetener Gast in der Zahnarztpraxis zu Wort: die Cephalgie. Oft suchen Patientinnen und Patienten die Zahnarztpraxis auf, um den Kopfschmerz loszuwerden. Doch was, wenn er erst durch die Behandlung entsteht? Ein Plädoyer für Ergonomie, Geduld und den Blick über den Alveolarrand.
Text Nadja Ebner, KZV Nordrhein | Quelle British Dental Journal volume 236, page 186 (2024)
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Liebe nordrheinische Zahnärztinnen und Zahnärzte,
ich, die Cephalgie, werde im Zusammenhang mit Zähnen oft missverstanden: Meistens hält man mich für das Symptom einer Pulpitis oder einer CMD. Doch heute möchte ich über meine andere Seite sprechen: Ich bin der Schmerz, der entsteht, wenn die Behandlung zwar fachlich brillant, aber für den Bewegungsapparat ein Marathon ist – sowohl für Sie als auch für Ihre Patientinnen und Patienten.
Wenn der Stuhl zur Belastungsprobe wird
Das British Dental Journal berichtete 2024 (Dental treatment can be a ‘headache‘ ) über einen Fall, der uns hellhörig machen sollte: eine Okzipitalneuralgie nach zahnärztlichen Eingriffen. Während wir wissen, dass die tägliche Belastung bei Ihnen – den Behandlerinnen und Behandlern – zu chronischen Nacken- und Schulterverspannungen führt, rücken nun vermehrt diejenigen auf dem Behandlungsstuhl in den Fokus.
Seltener, aber klinisch relevant, klagen Patientinnen und Patienten nach langen Sitzungen über ausstrahlende Kopfschmerzen. Die Ursache? Oft eine unglückliche Kombination aus:
- Ergonomischen Engpässen: Eine starre Lagerung über einen langen Zeitraum
- Psychosomatik: Angstbedingte Hypertonie der Nackenmuskulatur
- Mechanischer Reizung: Die anhaltende Kontraktion der posterioren Nackenmuskulatur
Die Theorie hinter diesem „Behandlungskopfschmerz“ ist so simpel wie logisch. Die Forschenden haben drei kritische anatomische Stationen identifiziert, an denen der Große Hinterhauptnerv (GON) komprimiert werden kann: Im Bereich des M. obliquus capitis inferior, beim Durchtritt durch den M. semispinalis capitis und am Sehnenansatz des M. trapezius.
Wenn Ihr Patient oder Ihre Patientin während einer aufwendigen Sanierung vor Anspannung „die Zähne zusammenbeißt“ oder der Kopf in einer ungünstigen Reklination verharrt, werde ich – die Cephalgie – aktiv. Im schlimmsten Fall endet dies in einer Neuralgie.
Weniger ist mehr
Was können Sie tun, damit ich am 5. September und an allen anderen Tagen draußen bleibe? Die Lösung liegt im Behandlungsmanagement:
- Ergonomie-Update: Nutzen Sie moderne Stühle, die nicht nur Ihnen, sondern auch der Patienten-Halswirbelsäule Halt geben.
- Intervall-Behandlung: „Stufenweise statt Marathon“. Planen Sie bei komplexen Fällen lieber mehrere kurze Sitzungen ein. Das entlastet Kiefergelenk und Nackenmuskulatur.
- Entspannung als Therapie: Integrieren Sie kurze Entspannungstechniken oder Pausen, in denen Patienten und Patientinnen den Mund schließen und die Nackenpartie lockern.
Fazit für die Praxis
Ein schmerzfreies Ergebnis umfasst mehr als nur die Kavität. Wer den Nacken schont, gewinnt das Lächeln des Behandelten – ohne Pochen im Hinterkopf.
In diesem Sinne: Einen entspannten Tag der Kopfschmerzen!