Berufskunde an den Unis: Eher Feigenblatt als solide Basis?

Die BdZM-Vorsitzende Lotta Westphal und der Referent für Nachwuchsfragen der ZÄK-Nordrhein  Dr. Bernd Mauer geben Einblicke.

Die Perspektiven verschieben sich. Die Generation Y und deren viel beschworene Lebensmaxime von der "Work-Life-Balance" prägt zunehmend das Berufsbild künftiger Zahnmediziner/innen. Die Ergebnisse der Apobank-Studie zum "Zukunftsbild Heilberufler 2030" hat im vergangenen Jahr zwar ergeben, dass immer noch eine Mehrheit der Studiums-Absolventen mittelfristig die Freiberuflichkeit anstrebt. Aber ob diese Werte tatsächlich repräsentativ und realistisch sind, darf angesichts sich ändernder Rahmenbedingungen, wie der explosionsartig zunehmenden Zahl der Z-MVZ und der Praxis-Käufe durch Fremdinvestoren, durchaus bezweifelt werden.

Diese äußeren Faktoren und die Apobank-Studie sagen außerdem nichts darüber aus, wie es überhaupt um die Vorbereitung auf den Beruf während des Studiums aussieht. Das Thema Berufskunde an den Hochschulen etwa dient in der Wirklichkeit bestenfalls als eine Art Feigenblatt! So lassen sich jedenfalls die Antworten zusammenfassen, die Lotta Westphal, 1. Vorsitzende des BdZM, - übrigens auf der jüngsten BuFaTa offiziell gendertechnisch korrekt in "Bundesverband der Zahnmedizinstudierenden" umbenannt - auf entsprechende Fragen gibt. Sie hat sich dazu eigens noch einmal in den Fachschaften umgehört, ihre Antworten dürfen also als durchaus repräsentativ gelten und sind im Ergebnis ernüchternd.

Der Vorstands-Referent für Nachwuchsfragen der ZÄK Nordrhein, Dr. Bernd Mauer, kann diesen Eindruck ebenfalls nicht entkräften, zeigt aber auf, dass es ernsthafte Bemühungen gibt, die genannten Problematiken zu entschärfen.

 

Spielt das Wissen um Aufgaben der Kammern und KZVen im Studium eine Rolle?

Westphal: In der Berufskundevorlesung werden diese Themen zwar besprochen. Diese Vorlesungen sind aber zum Teil schlecht besucht oder fallen einfach aus. Im Uni-Alltag spielt das Thema Berufskunde gar keine Rolle.

Dr. Mauer: Tatsächlich sind diese Vorlesungen meist schlecht besucht, weil sie nicht scheinpflichtig sind und viele Studierende durch andere Kurse so den Kopf voll haben, dass sie sich auf dieses Themenfeld noch nicht fokussieren. In Nordrhein haben wir die Ausfälle seit Aufnahme meiner Tätigkeit vor über zwei Jahren insgesamt aber weitgehend im Griff.

 

Welche Rolle spielt der Freie Beruf bei der kommenden ZA-Generation?

Westphal: Dieses Thema wird leider gar nicht thematisiert. Wir sehen das als großen Nachteil für den freien Beruf, denn viele Studierenden fühlen sich deswegen nicht in der Lage sich selbstständig zu machen.

Dr. Mauer: Die Studierenden können am Ende des Studiums dazu gar nicht in der Lage sein, dafür wird dann ja die Assistentenzeit vorgeschaltet. In diesen zwei Jahren sollen die jungen Kolleginnen und Kollegen ja nicht nur das „schneller Bohren“ lernen, sondern auch, welche Abläufe es in einer Praxis gibt. Je größer die Praxen sind, desto weniger Ausbildung findet häufig in Sachen Abrechnung, Betriebswirtschaft etc. statt. Ich rate den Studierenden immer, bei ihrer ersten Stelle nicht nur auf das Geld zu schauen, sondern auch auf das Lernen des „Drumherum“, z.B. in Sachen Verwaltung. In manchen Praxen wird darauf leider keine Rücksicht genommen.

 

Wie intensiv wird denn auf Führung und Verantwortung in einem Team sowie auf die wirtschaftlichen Faktoren beim Führen einer Praxis vorbereitet? 

Westphal: Themen wie Betriebswirtschaft und Teamleitungs-Know-how werden in der Universität zu keinem Zeitpunkt gelehrt. Die meisten Universitäten erwarten, dass sich die Studierenden in gesponserten Seminaren über diese Themen selbst weiterbilden.

Dr. Mauer: Solche Angebote machen Unternehmen gern von sich aus, sie sehen das als Eintrittspforte und versuchen etwas zu verkaufen. Ich gebe immer den Hinweis auf die Assistentenzeit und fordere die Studierenden auf, zu hinterfragen, ob sie in der richtigen Praxis gelandet sind, wenn sie dort mit  Dingen wie Abrechnung, Verwaltung, Betriebswirtschaft nicht in Kontakt kommen und notfalls auch den Arbeitgeber zu wechseln.

 

Und fühlen sich Studium-Absolventen unter diesen Aspekten dann fit für den Job in Eigenregie?

Westphal: Im Hinblick insbesondere auf die Anforderungen, die die Selbstständigkeit mit sich bringt, fühlt man sich absolut nicht hinreichend vorbereitet. Es ist selbstverständlich, dass in einem ZM-Studium kein BWL-Studium integriert sein kann. Dennoch würden grundlegende Kenntnisse wahrscheinlich auch einen Teil der Angst vor der Selbstständigkeit nehmen. Momentan sorgt die fehlende Informiertheit eher dazu, dass durch die Ungewissheit Bedenken vor der Selbstständigkeit entstehen.

Dr. Mauer: Fit für den Job sicherlich, fit für die Selbstständigkeit auf keinen Fall. Weitere Angebote werden aber kaum angenommen. Wir bieten mit der Zahnärztekammer Nordrhein, der KZV, der ZA und dem FVDZ entsprechende Get-together- und After-Work-Parties an. Besser angenommen werden unsere Berufsstarter-Workshops, wo wir mit größerem Erfolg versuchen, die junge Kollegenschaft besser fit zu machen für den Job. Darüber hinaus werden im Karl-Häupl-Fortbildungsinstitut der Zahnärztekammer zahlreiche Kurse angeboten, in denen sich junge Kolleginnen und Kollegen auch in den Bereichen Abrechnung, Betriebswirtschaft und Praxisführung neutral und ohne wirtschaftliche Interessen der Anbieter fortbilden können. Für Studierende werden viele dieser Kurse sogar kostenlos angeboten. 

 Markus Brakel, ZA eG

 

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